Ferienhaus
Villa von Häven

Geschichte Butjadingens








Land jenseits der Jade: Die Geschichte Butjadingens
Oktober 2026


Wer bei uns in Burhave auf dem Deich steht, sieht auf der einen Seite das Wattenmeer und auf der anderen weites, flaches Marschland mit Wiesen, Gräben und verstreuten Höfen. Was so friedlich aussieht, ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Ringens zwischen Mensch und Meer. Kaum eine Landschaft an der Nordsee wurde so stark von Sturmfluten geformt wie Butjadingen. Wir möchten Sie heute mitnehmen auf eine kleine Reise durch die Geschichte unserer Halbinsel.


Was bedeutet eigentlich „Butjadingen“?
Der Name klingt ungewöhnlich, ist aber schnell erklärt: „buten“ ist Plattdeutsch und bedeutet „außen“ oder „jenseits“. Butjadingen ist also das „Land jenseits der Jade“. Urkundlich taucht der Name erstmals im Jahr 1420 auf. Die Halbinsel liegt zwischen Jadebusen im Westen und Weser im Osten und ist auf drei Seiten von Wasser umgeben.

Leben auf Wurten: Die ersten Siedler


Schon lange bevor es Deiche gab, lebten Menschen in der fruchtbaren Marsch. Um sich vor dem Wasser zu schützen, schütteten sie künstliche Hügel auf, die sogenannten Wurten. Auf ihnen standen Höfe, später auch Kirchen, während das Land ringsum bei Sturmflut überspült wurde.
Auch Burhave ist ein Wurtendorf. Schon im 11. Jahrhundert stand hier eine Kirche auf einer hohen Wurt, die Höfe gruppierten sich rings um sie herum. Der Ortsname bedeutet vermutlich so viel wie „Kirchensiedlung“. Die heutige St.-Petri-Kirche wurde zwar erst 1878–1880 im neugotischen Stil errichtet, sie steht aber noch immer auf dem alten Hügel. Und einige ihrer Schätze sind deutlich älter: Der Taufstein stammt aus dem 12. Jahrhundert, die Marienglocke wurde 1451 gegossen.

Freie Friesen in Rüstringen
Im Mittelalter gehörte Butjadingen zum friesischen Gau Rüstringen. Die Friesen hier waren stolz auf ihre Freiheit: Sie kannten keinen Landesherrn, sondern regelten ihre Angelegenheiten in eigenen Landesgemeinden. Schon 1334 gab es in Burhave einen ersten Markt.
Diese Unabhängigkeit war allerdings umkämpft. Im 15. Jahrhundert versuchten die Stadt Bremen und die Grafen von Oldenburg immer wieder, die reiche Marsch unter ihre Kontrolle zu bringen. 1419 bauten die Burhaver ihre Kirche sogar zur Verteidigungsanlage aus, doch Bremer Truppen zerstörten Turm und Befestigung.
1514 kam es zur Entscheidung: Die Friesen aus Butjadingen und dem benachbarten Stadland unterlagen einem Heer der Oldenburger Grafen und der Braunschweiger Herzöge. Damit endete die „friesische Freiheit“ – Butjadingen wurde Teil der Grafschaft Oldenburg. An der Hartwarder Landwehr bei Rodenkirchen erinnert bis heute ein Denkmal an diesen letzten Kampf.


Als Butjadingen eine Insel war

Die größte Macht in der Geschichte Butjadingens war jedoch nicht Bremen oder Oldenburg, sondern das Meer. Im Mittelalter rissen schwere Sturmfluten immer wieder große Stücke Land fort. Dabei entstand auch der Jadebusen, der das alte Rüstringen in zwei Teile trennte.
Nach der verheerenden Zweiten Marcellusflut von 1362, auch „Grote Mandränke“ genannt, war Butjadingen zeitweise sogar eine Insel. Ein Meeresarm, die Heete, trennte es vom Festland. Mehrere Dörfer verschwanden für immer in den Fluten – ihre Namen wie Tedlens, Langemehne oder Alt-Waddens kennt man heute nur noch aus alten Chroniken.
Erst durch jahrhundertelangen, mühsamen Deichbau wuchs Butjadingen wieder mit dem Festland zusammen.

Die Weihnachtsflut von 1717


Ein besonders dunkles Kapitel ist die Weihnachtsflut von 1717. In der Nacht zum ersten Weihnachtstag brachen die Deiche, und nahezu ein Drittel der Bevölkerung Butjadingens kam ums Leben. Von dieser Katastrophe erholte sich die Region wirtschaftlich lange nicht.
Danach wurden die Deiche deutlich höher und stärker gebaut. Die geschwungene Deichlinie, auf der Sie heute spazieren gehen oder Rad fahren, ist das Ergebnis dieser Anstrengungen über viele Generationen.

Vom Bauernland zur Ferienregion














Nach dem Mittelalter wechselten die Herrscher noch einige Male: 1667 fiel Oldenburg und damit auch Butjadingen an das dänische Königshaus, von 1810 bis 1813 stand die Halbinsel unter französischer Besatzung. Das Leben aber blieb von der Landwirtschaft und der Seefahrt geprägt.
Langsam wurde Butjadingen besser erreichbar: 1853 entstand zwischen Fedderwardersiel und Burhave die erste gepflasterte Klinkerstraße, 1861 war Burhave über eine durchgehende Straße mit Oldenburg verbunden. Am 1. März 1974 schlossen sich schließlich Burhave, Langwarden und Stollhamm zur heutigen Gemeinde Butjadingen zusammen, mit Sitz in Burhave.

Heute ist das Wattenmeer vor unserer Haustür Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Wo früher gegen das Meer gekämpft wurde, kommen heute Gäste, um genau dieses Meer zu erleben.



Geschichte zum Anfassen: Unsere Tipps
Wenn Sie bei Ihrem Urlaub auf Spurensuche gehen möchten, empfehlen wir Ihnen:
-   St.-Petri-Kirche in Burhave: mitten in Burhave, mit Taufstein aus dem 12. Jahrhundert.
-   St.-Laurentius-Kirche in Langwarden: eine der eindrucksvollsten Wurtenkirchen der Halbinsel.
-   Fedderwardersiel: Der kleine Hafen mit seinen Krabbenkuttern ist ein Stück lebendige Küstengeschichte. Im Museum Nationalparkhaus, untergebracht in einem Gebäude von 1846, erfahren Sie viel über Watt, Fischerei und das Leben an der Küste.
-   Ein Spaziergang auf dem Deich: Mit dem Wissen um die Weihnachtsflut sieht man ihn mit ganz anderen Augen.

Und unser Haus?
Auch die Villa von Häven ist ein Stück dieser Geschichte. Unser Friesenhaus gehört zu den ältesten Gebäuden in Burhave, der erste dokumentierte Verkauf stammt aus dem Jahr 1790 – also nur gut 70 Jahre nach der großen Weihnachtsflut. Wie alt das Haus genau ist, wissen wir leider nicht.

Ein besonderer Schatz ist dieses alte Foto. Es zeigt unser Haus, als es noch der Familie von Häfen gehörte: ein langes, tief heruntergezogenes Dach mit zwei Schornsteinen, kleine Sprossenfenster, ein blühender Garten und davor zwei Frauen in langen Kleidern. Wer sie waren und wann das Bild entstand, wissen wir nicht – vielleicht erkennt ja jemand aus Burhave die beiden?


[Familienchronik von Häfen: historisches Foto mit den zwei Frauen ca 1920]
Die Burhaver kennen unser Haus vielleicht noch unter einer anderen Adresse: Bis Ende 2014 hieß die Blumenstraße noch Friesenstraße. Auf einem Foto von 2007 ist das Haus fast vollständig mit Efeu bewachsen.


[Meinhard Wefer: Haus im Jahr 2007]

Bei der Sanierung 2019 haben wir viel von seinem historischen Charme erhalten, damit Sie heute in alten Backsteinmauern mit modernem Komfort Urlaub machen können.


[das Haus heute]
Wir freuen uns, wenn Sie die Geschichte Butjadingens bei uns selbst entdecken.
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